Schacht 2 / Zeche Hugo / Kleines Museum

HUGO
HUGO

Kleines Museum

Kumpel erklären Bergbaugeschichte: Von Katrin Schlusen (WDR)

Kumpel erklären Bergbaugeschichte Glück auf, kleines Museum

Von Katrin Schlusen

Vor zehn Jahren wurde auf Zeche Hugo in Gelsenkirchen der letzte Schacht verfüllt. Seitdem haben ehemalige Kumpel ein Museum aufgebaut. Sie führen Besucher durch die Geschichte des Bergbaus und die ihres Herzblutvereins Schalke 04.


Bergmann Hennes Wilde
Bild 1 vergrößern

Museumsführer Hennes Wilde

"Oppa auf der Zeche, Vatter auf der Zeche und ich der letzte", berichtet Hennes Wilde im feinsten Ruhrdeutsch. Es ist Dienstag und wie immer hat das Kleine Museum in Gelsenkirchen-Buer heute geöffnet. Es ist wirklich ein unglaublich kleines Museum. Mitten in der Bergmann-Siedlung Schüngelberg ist eine Wohnung zum Museum umfunktioniert worden. Auf nur 81 Quadratmetern sind hier alte Dokumente, Fossilien, Arbeitskleidung, Bücher, Grubenlampen, Teppiche, Taubenuhren, Beatmungsgeräte, Barbara-Figuren und Schalke-Devotionalien zu finden. Zu den Fußball-Fundstücken später mehr - denn zunächst begrüßt Wilde die Besucher mit einem "Glück auf" und die Führung geht los.

Mutterblock zum Heizen


Ein so genannter Mutterblock aus Holz
Bild 2 vergrößern

Der "Mutterblock" für den Heimweg

Das Museum hat kein pädagogisches Konzept und die Räume sind nicht nach Themen sortiert - dafür wäre auch kein Platz. Die Besucher bekommen aber ein authentisches Bild davon, wie es unter Tage war. Wilde hat selbst 37 Jahre lang als Schlosser auf Zeche Hugo gearbeitet. Er weiß ganz genau, wovon er redet, wenn er einzelne Ausstellungsstücke präsentiert. "Dieser Helm ist eine bessere Attrappe", sagt er über einen historischen Schutzhelm. "Wenn man von einem Stein getroffen wurde, dann war Feierabend." Bei Wilde geht es nicht nur um das Arbeiten unter Tage, auch um das Leben oben in der Siedlung: "Das ist hier ein Mutterblock", sagt er und erklärt: Vor 60 Jahren wurde unter Tage noch alles mit Holz abgesichert, die Reste durften die Kumpel mit nach Hause nehmen. "Papa, wofür ist der Klotz?", habe Wilde seinen Vater gefragt. Die Antwort: für die Mutter.

Erbpacht für den Förderturm von Schacht II


Klaus Herzmanatus
Bild 3 vergrößern

Museums-Gründer Klaus Herzmanatus

Wilde gehört zu dem harten Kern von ehemaligen Kumpeln, die das Kleine Museum ehrenamtlich aufgebaut haben. Und nicht nur das: Als Zeche Hugo dichtgemacht wurde, wollten sie den Förderturm von Schacht II retten. "Unser Betriebsratsvorsitzender hat damals zu mir gesagt: Hennes, wir müssen was machen". Der ehemalige Betriebsratsvorsitzende Klaus Herzmanatus wird von den Kumpeln im Museum für sein Organisationstalent geschätzt. Herzmanatus organisierte die Wohnung, in der heute das Museum ist. Und in Verhandlungen mit der Stadt erwirkte der ehemalige Betriebsratsvorsitzende eine Erbpacht für Schacht II. Aus dem Gebäude hat der Verein mittlerweile eine Art Event-Raum gemacht.

"Seid doch froh, dass ihr die Rente durchhabt"


Für viele der ehrenamtlichen Museumshelfer ist die Arbeit auch eine Art Beschäftigungstherapie, wie sie es sich offen eingestehen. Bei der Schließung der Zeche waren viele der Kumpel zwischen 40 und 50 Jahre alt. Genau in dem Alter, in dem es schwierig ist, mit kaputtem Rücken einen neuen Job zu bekommen, berichtet ein Bergmann. Nachdem auf Hugo Schluss war, arbeitete er bei einer anderen Firma. "Da gab es nicht die gleiche Art von Zusammenhalt wie unter Tage." Auch wenn es schon über zehn Jahre her ist, dass die Zeche geschlossen wurde, geben die Bergmänner zu, dass der Verlust des Arbeitsplatzes immer noch an ihnen nagt. "Vor einigen Jahren habe ich in der Waschkaue meine Nummernkarte abgeschraubt", erinnert sich einer der Kumpel. "Dann sind mir schon die Tränen gekommen." Zuerst wurde die Museumsclique in der Siedlung belächelt. "Seid ihr doof? Seid doch froh, dass ihr die Rente durchhabt", haben die Kollegen gesagt. "Aber heute denken die Leute anders", sagt Hennes Wilde. "Die sind froh, dass wir das alles aufbewahrt haben."

Sommerfest mit Schalke-Spielern


Unterschriebenes Trikot von Torwart Manuel Neuer
Bild 4 vergrößern

Mit Widmung von Manuel Neuer

Was bleibt, das ist der Fußball. "1904 wurde Schalke gegründet, als ein Verein von Bergleuten und Stahlarbeitern", erklärt Herzmanatus. Dieser Tradition ist der Verein bis heute treu geblieben. Schalke-Spieler werden immer noch Knappen genannt, das ist vergleichbar mit dem Gesellen im Handwerk. Nationalspieler Willi Koslowski etwa hat 1955 die Knappen-Prüfung bestanden, der Beweis hängt eingerahmt im Museum. Vor Schalke-Spielen kommen oft Busse mit Fans. Erst im Sommer hatte das Museum ein privates Fest mit den Spielern. Und auch Schalkes Abwehrspieler Christoph Metzelder stand schon mal unangemeldet vor der Tür, um das Museum zu besuchen. "Boah, habt ihr denn kein Training heute?", fragte Hennes Wilde. "Ne, verletzt", kam dann die Antwort.

Wählt eure Sprache  - Sélectionne votre langue - Selects your language
Wählt eure Sprache - Sélectionne votre langue - Selects your language

Meine Empfehlung:

.... mit Sicherheit besser.

Rolls-Royce und Bentley Online Club e.V.
Rolls-Royce und Bentley Online Club e.V.